Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2006                          Nr. 10

Inhaltsverzeichnis

Rückblick auf die Arbeit des Vereins

Inhaltlich standen wieder mehrere Projekte im Mittelpunkt unserer Arbeit, die teils in eigener Verantwortung, teils in Kooperation mit anderen Veranstaltern geplant und durchgeführt wurden.

    - Veranstaltung zum 9. November 2005: Wie in den Jahren zuvor, ist es auch im Jahre 2005 gelungen, die Arbeit verschiedener Organisationen im Arbeitskreis 9. November zu koordinieren. In zahlreichen Sitzungen, die auf Einladung der Jüdischen Gemeinde in deren Räumen stattfanden, wurde die Veranstaltung geplant und dann auch durchgeführt. 2005 stand die Gedenkveranstaltung ganz im Zeichen der Grundsteinlegung für die neue Bochumer Synagoge wenige Tage später. Hauptredner war Prof. Jähnichen, der in seiner Rede - ausgehend von Überlegungen zur Bedeutung der Synagoge im Judentum - den Bogen von der Zerstörung der alten zur Grundsteinlegung zur neuen Synagoge spannte.

    - Nachdem 2004 die ersten "Stolpersteine" verlegt worden waren, wurden im November 2005 und im April 2006 weitere Steine durch den Kölner Künstler Günter Demnig zur Erinnerung an die Opfer der Shoah vor deren ehemaligen Wohnungen in der Stadt in das Pflaster eingelassen. In einer Veranstaltung im Museum Bochum stellten die "Paten", die die Recherchen übernommen hatten, ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit vor. In verschriftlichter Form können sie im Stadtarchiv von jedermann eingesehen werden. Inzwischen sind ca. 30 Steine, zumeist im Bereich der Innenstadt, zu sehen. Andreas Halwer vom Stadtarchiv und Hubert Schneider beraten in regelmäßig abgehaltenen Sprechstunden die "Paten", die die Recherchen übernommen haben. Diese Arbeit ist spannend und im positiven Sinne aufregend: Die Beschäftigung mit Einzel- schicksalen führt Schüler und Privatpersonen hautnah an ein Thema heran, dem man ansonsten bestenfalls neutral gegenüberstand. Die "Paten" nehmen in vielen Fällen Anstrengungen auf sich (Archivbesuche, Zeitzeugenbefragung), von denen sie vor der Übernahme der Aufgabe keine Vorstellung hatten. Alle Betroffenen nähern sich somit auf sensible Weise einem großen Thema und einem Stück der Stadtgeschichte. Es ist politische Bildungsarbeit im besten Sinne. Unser Verein hat die Recherchen für Ella und Ferdinand Sternberg übernommen. Um den Lesern zu zeigen, welche Ergebnisse solche Bemühungen bringen können, drucken wir das vorläufige Ergebnis unserer Arbeit in diesem Heft ab. Am 22. November kommt Günter Demnig wieder nach Bochum, am Abend stellen im Museum Bochum die Paten die Ergebnisse der Recherchen zu den neuesten "Stolpersteinen" vor.

    - Erneuert wurde unsere Kooperation mit dem Bochumer Anwaltsverein und dem Landgericht Bochum. Geplant sind zwei Vortragsveranstaltungen in diesem Herbst. Neu ist die Kooperation mit dem Landgericht Hagen.

    - Am 14. November 2005 fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Grundsteinlegung für die neue Synagoge statt. Inzwischen vollzog die Oberbürgermeisterin unserer Stadt, Frau Dr. Ottilie Scholz, den ersten Spatenstich, die Bauarbeiten haben begonnen. Im Herbst 2007 soll die Synagoge eingeweiht werden. Der "Freundeskreis Bochumer Synagoge" - unser Verein ist mit Hubert Schneider im Beirat des "Freundeskreises" vertreten - sammelt in zahlreichen Veranstaltungen nicht nur Geld, sondern klärt in verschiedenartigen Veranstaltungen auch über jüdisches Leben im Allgemeinen und in Bochum im Speziellen auf. Das wurde auch im Rahmenprogramm zur Grundsteinlegung deutlich: Neben Ausstellungen zur Geschichte jüdischen Lebens in Bochum hielten Frau Dr. Wölk (Stadtarchiv), Herr Dr. Keller (Bund Evangelischer Akademiker, jetzt "Evangelisches Forum") und Hubert Schneider Vorträge zur Geschichte der Bochumer Familie Baer, zum Leben des Bochumer Rabbiners Dr. David und zu den Anfängen jüdischen Lebens in Bochum nach 1945. Den Vortrag von Hubert Schneider (Anfänge jüdischen Lebens in Bochum nach 1945) drucken wir in diesem Heft ab.

    - Zahlreich sind unsere Aktivitäten in der Stadt: Regelmäßige Stadtführungen zum jüdischen Leben in Bochum (unter Einschluss der bisher verlegten "Stolpersteine") und auf dem jüdischen Friedhof wurden mit unterschiedlichen Gruppen durchgeführt. Eine Kooperation mit dem Katholischen Forum Bochum hat dazu geführt, dass man dort solche Führungen fest in das Veranstaltungsprogramm aufgenommen hat. Nach dem Erscheinen des Freimark-Buches veranstaltete Hubert Schneider zahlreiche Lesungen in der Stadt. Hervorzuheben sind die sehr gut besuchten Veranstaltungen in der Buchhandlung Janssen und im Gemeindesaal der Bochumer Meinolphus-Kirche. Letztere war besonders anregend, weil die Freimarks ja in den 30er-Jahren direkt gegenüber dieser Kirche wohnten.

    - Hubert Schneider hielt bei verschiedenen Veranstaltungen Vorträge: Bei einem Workshop in Bochum im Institut für soziale Bewegungen zum Thema "Zwangsarbeiter" referierte er zum Thema "Jüdische Displaced Persons und die deutsche Bevölkerung" (der Vortrag liegt demnächst in gedruckter Form vor). Bei einer Veranstaltung in Essen berichtete er über die Rolle der deutschen Industrie beim Völkermord an den Juden (Beispiel IG Farben in Auschwitz-Monowitz). In Kooperation mit dem "Freundeskreis Bochumer Synagoge" und dem Stadtarchiv veranstaltete Hubert Schneider im Stadtarchiv einen Workshop zum Thema "Judenhäuser in Bochum".

    - Regelmäßig bekommen wir Anfragen aus der Stadt oder von außen, die Fragen nach dem früheren jüdischen Leben in Bochum betreffen. Immer wieder beraten wir Studierende und Leute, die sich mit Aspekten jüdischen Lebens in Bochum beschäftigen.

    - Auch als Institution sind wir in Bochum präsent: Hubert Schneider wurde als Vorsitzender des Vereins in den Beirat des Freundeskreises Bochumer Synagoge und in den Beirat des Stadtarchivs Bochum berufen. Im Freundeskreis engagieren wir uns v. a. bei der Öffentlichkeitsarbeit, wenn es um die Geschichte der alten jüdischen Gemeinde geht. Der Beirat im Stadtarchiv soll das Archiv bei der Gestaltung einer stadtgeschichtlichen Ausstellung nach dem Umzug in das alte Aralhaus beraten.

    - Zu den betrüblichen Nachrichten des Jahres gehört der Tod von Karl-Heinz Menzel, der am 4. Juli 2006 nach langer schwerer Krankheit verstarb. Er war einer der letzten in Bochum lebenden Mitglieder der alten jüdischen Gemeinde Bochum, bis zum Ausbruch seiner Krankheit auch sehr engagiert in unserem Verein. Wir veröffentlichen einen Nachruf in diesem Heft.

Im letzten Jahr wurde ein wichtiger Schritt in unserer Öffentlichkeitsarbeit getan: Wir sind im Internet zu finden. Dank des großen Einsatzes von Johannes Ludwig wurde dies möglich. Unsere Adresse: www.erinnern-fuer-die-zukunft.de Zuletzt eine Personalie: Johannes Ludwig löste Sabine Krämer als zweiter Vorsitzender unseres Vereins ab. Sabine Krämer hat nach der Geburt ihres zweiten Kindes - wir hoffen nur für kurze Zeit - ihre Mitarbeit im Verein reduziert.

(Hubert Schneider)