Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2008                          Nr. 12

Inhaltsverzeichnis

  Großes Interesse an der Synagoge

  Das neue Zentrum der Jüdischen Gemeinde Bochum- Herne-Hattingen mit der Synagoge ist wegen seiner zentralen Lage, vor allem aber wegen der klaren und ästhetischen Architektur ein stark beachtetes Wahrzeichen der Stadt Bochum und der Region geworden.
   Entsprechend groß und breit gestreut ist das Interesse, die Synagoge zu sehen und bei  der Gelegenheit etwas über das religiöse Leben der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erfahren. Der Freundeskreis hat am 20.Januar 2008 mit Führungen in der Synagoge begonnen und seitdem inzwischen nahezu 150 Besuche mit etwa 5.000 Teilnehmern organisiert und durchgeführt. Mehr als 100 weitere Anmeldungen bis Mai 2009 mit 2.600 Teilnehmern stehen zurzeit im Kalender des Freundeskreises, und es kommen ständig neue Vereinbarungen hinzu. Schulklassen, Studentengruppen, Lehrerkollegien, Clubs und Vereine aller Art, Kirchengemeinden sowie viele Einzelpersonen und Familien gehören zu den Besuchern.
  Der Freundeskreis wertet das als Zeichen dafür, dass die jüdische Gemeinde, die viele Jahre im Verborgenen gelebt hat, nicht nur ein neuer Mittelpunkt des allgemeinen Interesses geworden ist, sondern in das religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Leben ihres  Gemeindegebietes und darüber hinaus zunehmend aufgenommen wird. Etwas Schöneres als diese große Zuwendung kann der Gemeinde nicht entgegengebracht werden.
  Die Besuchergruppen werden zurzeit von sechs Herren geführt. Auch die Jüdische Gemeinde ist an dieser Arbeit mit einem Mitglied beteiligt. Der Freundeskreis wünscht sich sehr, dass in naher Zukunft weitere Mitglieder der Gemeinde „ihre Synagoge“ selbst präsentieren.
  Beim Inhalt der Führungen hat sich inzwischen eine gewisse Struktur gebildet, wenngleich jeder Führende seine persönlichen Akzente setzt. Neben den Informationen über den politischen, gesellschaftlichen, finanziellen, planerischen und handwerklichen Weg zum Neubau stehen natürlich auch Aussagen über das Judentum, das Gemeindeleben, den Gottesdienst sowie über die  in der Synagoge sichtbaren Einrichtungen und rituellen Gegenstände. Dazu haben sich die genannten Herren durch ihre Ausbildung, durch Lektüre und Gespräche das erforderliche Wissen angeeignet und tun dies weiterhin unaufhörlich. Das geschieht  aus dem ernsthaften Bemühen jedes Einzelnen heraus, jüdisches Leben zu fördern und der nichtjüdischen Öffentlichkeit den Neubau und das inzwischen  eingezogene jüdische Leben nahe zu bringen. Der Höhepunkt ist für die Besucher stets der Anblick der ummantelten Thorarollen im Schrein.
  Nach den bisherigen Erfahrungen lässt sich sagen, dass die Architektur des Neubaus sehr positiv beurteilt wird. Die warme Helligkeit und Freundlichkeit der Gemeinderäume und der Synagoge werden als besonders sympathisch hervorgehoben. Bei den Berichten und Gesprächen über das Leben der jüdischen Gemeinde sind sehr große Unterschiede in den Vorkenntnissen festzustellen. Wir haben hervorragend vorbereitete Schulklassen erlebt, bei denen unser Vortrag sich schnell zu einem lebendigen Gespräch entwickelte. Der Freundeskreis sieht es weiterhin als seine Aufgabe an, durch die Führungen die gegenseitige Neugier und Aufgeschlossenheit zu stärken. 

                                                                                              (Gerd Liedtke)