Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2008                          Nr. 12

Inhaltsverzeichnis

9. November 2007

Die Opfer des Nationalsozialismus dürfen nicht vergessen werden. Dies ist die Inschrift der 2. Stele, die anlässlich der Gedenkveranstaltung am 9. November 2007 von der Oberbürgermeisterin Frau Dr. Scholz neben dem ehemaligen Kaufhaus Kortum – wo die alte Synagoge stand - enthüllt wurde. Stele und Gedenkveranstaltung standen ganz im Zeichen der Stolpersteine, von denen in den letzten drei Jahren 81 in Bochum und Wattenscheid verlegt worden waren.

Mit diesen Steinen,  so die Oberbürgermeisterin, wird den Opfern ein Gesicht und die Würde zurückgegeben. Sie sind klare Zeichen gegen Faschismus und Rechtsradikalismus. Die einzelnen Steine stehen für alle jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Die Verlegung der Stolpersteine ist umfassende Beschäftigung mit den Opfern des Nationalsozialismus als Teil einer breiten Kultur des Erinnerns.

Die Stele zeigt eine alte Landkarte der Stadt Bochum, gezeigt wird hier, wo die in Bochum Wattenscheid lebenden jüdischen Menschen einst wohnten und wirkten.  Die Stehle ruft zur Wachsamkeit gegen Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf, betonte die Oberbürgermeisterin. Aber dieser 9. November ist keine Veranstaltung, die sich nur allein auf die Vergangenheit konzentriert, sondern deutlich macht, dass wir heute bereit sind, Verantwortung zu tragen für das, was Deutsche damals taten bzw. nicht taten. Verantwortung dafür, dass sich so etwas nicht wiederholt. Viel zu viele Ereignisse der letzten Zeit mit antisemitischem Hintergrund zeigen uns, dass alte und neue Nazis immer noch aktiv sind. Deren schändliches Wirken unterstreicht, dass Freiheit und Demokratie keine Geschenke sind, die vom Himmel fallen. Vielmehr müssen sie von uns täglich neu erarbeitet und und geschützt werden. Daher sind wir alle aufgefordert, uns zu erheben und NEIN zu sagen, wenn selbsternannte Heilsbringer kommen und Menschenleben und Menschenwürde missachten.

Die Oberbürgermeisterin dankte allen, die das Leben der Ermordeten wieder in unsere Erinnerung rufen, vor allem den SchülerInnen der Annette von Droste-Hülshoff-, der Hugo-Schulz- und der Pestalozzi-Realschule, wie dem Graf-Engelbert- Gymnasium, dem Gymnasium am Ostring und auch der Mathias- Claudius-Gesamtschule. Diese SchülerInnen hatten sich mit ihren Lehrern an der Gestaltung der Gedenkveranstaltung engagiert.

Dr. Hubert Schneider erinnerte vor dem Hintergrund der bevorstehenden Einweihung der neuen Synagoge am 16. Dezember an die Einweihung der 1938 zerstörten Bochumer Synagoge am 26. August 1863.

Damals berichtete die Presse überschwänglich, dass  die blumen- und fahnen- geschmückte Stadt Bochum das vielleicht schönste Fest ihrer Geschichte feierte. Die Synagoge  sei eine Zierde der Stadt. Zwei Generationen später sei die erweiterte und umgebaute Synagoge dann zerstört worden.  Die Frage, wie das geschehen konnte, treibt uns Nachgeborene  heute noch um, stellte Dr. Schneider eindringlich fest.

Er erinnerte daran,  dass im Februar 1941 noch 253 Juden in Bochum lebten. 1942 seien in drei großen Transporten im Januar, April und Juli 184 Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Lager im Osten deportiert worden. Weitere Transporte folgten 1943, die letzten Bochumer Juden - sie lebten mit Nichtjuden in sogenannten Mischehen , wurden im September 1944 deportiert.

Die Dr. Schneider begleitenden SchülerInnen schilderten in eindrucksvollen Berichten die Situation in den Lagern in Riga, Zamosc und Theresienstadt, sie berichteten über das Schicksal Bochumer jüdischer Menschen, die in diese Lager verschleppt wurden: Fam. Sternberg (Riga), Fam. Simons (Zamosc) und Familie Freimark (Theresienstadt).

Eingerahmt waren die Wortbeiträge durch Lieder des IG Metall- Chores „Korrosion“ und Gebete von Kantor Igal Behum. Ca. 200 BochumerInnen nahmen an der Gedenkveranstaltung teil. 

                                                                          (Günter Nierstenhöfer)