Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2009                          Nr. 13

Inhaltsverzeichnis

Bücher, die vor kurzem erschienen sind.

Erstmals stellen wir in unserem Heft Publikationen vor, von denen wir annehmen, dass sie für unsere Leser von Interesse sind.

Wenige Monate vor ihrem Tod erschienen in den USA die Erinnerungen von Rosemarie Molser geb. Marienthal. Die erste Auflage war ganz schnell vergriffen, die zweite Auflage ging in Druck:
Darice Bailer and Rosemarie Molser: Comes a little light. Dream House Books Miami, Florida.

Von Irmtrud Wojak, Mitbegründerin unseres Vereins und dessen erste Vorsitzende, zur Zeit Gründungsdirektorin des NSDokumentationszentrums in München, legte vor einigen Wochen, erschien vor einigen Monaten das Buch „Fritz Bauer 1903-1968. Eine Biographie“. Erschienen ist das Buch im Beck-Verlag München. Die erste Auflage war schnell vergriffen, die zweite Auflage ging in Druck.

Fritz Bauer, aus einer jüdischen Familie stammend, trat in den 20er Jahren bei der SPD ein, kam nach dem 30. Januar 1933 ins Konzentrationslager, konnte erst nach Dänemark, dann nach Schweden fliehen. Nach dem Krieg wirkte er zunächst als Generalstaatsanwalt in Braunschweig, dann in Hessen bis zu seinem überraschenden Tode 1968. Bauer hielt die Auseinandersetzung mit den Wurzeln nationalsozialistischen Handelns für unumgänglich. In einem politischen Klima des Stillschweigens und Wegsehens betrieb Fritz Bauer Aufklärung, juristische Richtigstellung und von Staats wegen Verfolgung der Nazi-Verbrechen. Einer der Höhepunkte ist die Darstellung der Vorbeeitung und Durchführung des großen Auschwitz-Prozesses in Frankfurt a.M. 1963-1965.

Hubert Schneider/Susanne Schmidt/Jürgen Wenke: Leben im Abseits. Agnes und Wilhelm Hünnebeck aus Bochum. Verfolgt als Mischling ersten Grades (Agnes und Wilhelm), verurteilt als Homosexueller (Wilhelm), Essen 2009.
Die Geschichte der Geschwister Wilhelm und Agnes Hünnebeck wird eingeleitet durch einen Rückblick auf die Geschichte ihrer Familien: In der Geschichte der Sutros gewinnen wir einen Einblick in die Entwicklung der Emanzipation der Juden in Westfalem im 19. Jahrhundert. Die hier vom Vorfahren, dem bedeutenden Rabbiner Abraham Sutro, entscheidend geprägt wurde. Bei der Geschichte der Hünenbecks erfahren wir etwas über die Entwicklung des liberalen Bürgertums in Bochum und im Ruhrgebiet. Bei der Geschichte der Geschwister Hünnebeck gewinnen wir Einblicke zunächst in das Scheitern des Liberalismus, am Beispiel des Homosexuellen Wilhelm Hünnebeck gewinnen wir einen Einblick in die Folgen von Vorurteilen, die epochenübergreifend wirksam sind.

Hubert Schneider: Jüdische Familien in Bochum – ihre Bedeutung für die Entwicklung der Stadt, in: Bochumer Zeitpunkte Nr. 23, Jahrbuch der Bochumer Kortum-Gesellschaft, Bochum 2009, S. 3 – 24.
Die Darstellung der Familien von Juden wird zumeist lediglich als Verfolgungsgeschichte erzählt. Viel zu kurz kommt dabei, welche Rolle Juden im gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und sozialen Leben ihrer Heimatstadt spielten. In dem Aufsatz wird dieser Aspekt am Beispiel der Bochumer Familien Baruch, Schüler und Rosenbaum beleuchtet. Die Verfolgungsgeschichte wird dabei nicht ausgelassen. Im Gegenteil: Vor dem Hintergrund der Rolle, die diese Familien in der Geschichte Bochums spielten, wird die Ungeheuerlichkeit dessen, was nach 1933 geschah, noch deutlicher. Und es wird auch deutlich, welchen Verlust Bochum, Deutschland sich selbst zufügte, indem sie diese Menschen zu Untermenschen degradierten, ihnen alle Möglichkeiten für ein Leben in Deutschland nahmen.

(Hubert Schneider)