Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2009                          Nr. 13

Inhaltsverzeichnis

Stadtrundgang in Bochum

Seit vielen Jahren werden in Bochum u.a. in Kooperation zwischen der Volkshochschule, der „Jungen VHS“ und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) zu unterschiedlichen Themen, die mit der Nazi-Zeit verbunden sind, Stadtrundgänge durchgeführt. So z.B. „Bochum in der NS-Zeit“, „ Auf den Spuren der NS-Zeit und die Erinnerung daran“, „Jüdisches Leben in Bochum“, „Alle Räder rollen für den Sieg – Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Bochum“, „Auf den Spuren von Ottilie Schönewald in Bochum“ und nicht zuletzt der Rundgang zu den „Stolpersteinen“.

Die Rundgänge werden im Frühjahrs- und Herbstprogramm der Volkshochschule Bochum angekündigt, im Programm der „Jungen Volkshochschule“ unter dem Titel „Mit der Schulklasse auf den Spuren der NS-Geschichte. Ebenso weist die Bochumer Presse regelmäßig auf die Rundgänge hin.

Zwei Stadtrundgänge sind uns in besonderer Erinnerung:
Als die Neo-Nazis in Bochum mit Infoständen und Demonstrationen gegen den Bau der Synagoge hetzten, führte die VVN-BdA am 6. März 2004 einen Rundgang „Jüdisches Leben in Bochum“ durch, an dem 75 Interessierte teilnahmen. In der Presseerklärung der VVN-BdA dazu hieß es u.a.: „Der Wiederaufbau der Synagoge in Bochum ist sichtbares Zeichen der in dieser Stadt wieder entstandenen und wachsenden jüdischen Gemeinde und Symbol dafür, dass der Lebenswille und Kampf jüdischer Menschen über den nationalsozialistischen Vernichtungswillen gesiegt hat. Wir begrüßen die Wiederentfaltung jüdischen Lebens in unserer Stadt.“ Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) vom 8. März 2004 berichtete über den Rundgang in einem Artikel unter der Überschrift „Erinnerung an einst blühendes jüdisches Leben.“

Zu dem Stadtrundgang am 10. April 2005, der anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung Bochums durch amerikanische Truppen stattfand, kamen ca. 60 Personen, zumeist Menschen zwischen 20 und 30 Jahren.

Der Stadtrundgang zum Thema „Alle Räder rollen für den Krieg – Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Bochum“ machte am Beispiel des „Bochumer Vereins“ die Rolle der deutschen Industrie im Nazi- Staat deutlich. Der „Bochumer Verein“ war u.a. einer der größten und wichtigsten Rüstungsbetriebe im Deutschen Reich. Es gab auf dem Geländer dieser Firma ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald mit überwiegend jüdischen Häftlingen aus Ungarn, die in der zweiten Hälfte 1944 zumeist direkt von Auschwitz nach Bochum verschleppt wurden. Sie mussten unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten. Viele von ihnen verhungerten.

Die Stadtrundgänge mit den Schulklassen sind für uns besonders wichtig. Da die Schülerinnen und Schüler in der Regel 14 bis 19 Jahre alt sind, können sie sich nicht vorstellen, was Alltag in einer faschistischen Diktatur für die Menschen bedeutete und welche Auswirkungen der durch das NS-Regime ausgelöste Krieg hatte. Darum ist es immer wieder notwendig, junge Menschen über die damalige Zeit aufzuklären, damit sie nicht auf die Propaganda neofaschistische Gruppierungen und Parteien hereinfallen.

(Jutta Duschka / Klaus Kunold)