Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2010                          Nr. 14

Inhaltsverzeichnis

65. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg

Am 8. Mai 2010 jährte sich zum 65. Mal der Tag der Befreiung von Faschismus und  Krieg. Bereits im Vorfeld dieses Jahrestages gab es im Bündnis „Bochum gegen Rechts“ Überlegungen, wie  man diesen Tag würdevoll gestalten könne.
   Felix Lipski, Überlebender des Ghettos in Minsk und heute Mitglied der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, machte den Vorschlag, während eines Rundgangs auf dem Friedhof am Bochumer  Freigrafendamm an den entsprechenden Gräbern der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.
   Die VVN-BdA Bochum nahm den Vorschlag auf und übernahm auch die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung der Veranstaltung: Der Kontakt zu den einzelnen Opfergruppen wurde hergestellt, die relevanten Ämter der Stadt informiert. Auf dem Friedhof wurden fünf Orte des Gedenkens festgelegt, die Personen bestimmt, welche an den jeweiligen Gräbern der Opfer in einer kurzen Ansprache gedenken sollten.
   Am Freitag, den 7. Mai 2010, trafen sich die Teilnehmer  der Veranstaltung am Haupteingang des Friedhofes Freigrafendamm.
   Klaus Kunold, Kreisvorsitzender der VVN-BdA, begrüßte die Anwesenden. Er wies auf die Bedeutung des Tages hin, übermittelte auch die Grüße von Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz, die sich dafür entschuldigen ließ, dass Sie zu der Veranstaltung nicht kommen konnte.
   Die  erste Station des Gedenkweges war die Grabstätte des Franziskanerpaters Romanus Bange. Am Grab sprach Frau Renate Hagemeister als Vertreterin von Pax Christi.
   Am Gräberfeld 19, der  zweiten Station, erinnerten Uli Borchers vom „Bündnis gegen Rechts“ und Felix Lipski an das Schicksal der hier  bestatteten sowjetischen Zwangsarbeiter. Herr Lipski übersetzte den russischen Text der Gedenktafel.
   Am Gräberfeld 19a, der dritten Station, erinnerten Annemarie Grajetzki (Frauen für den Frieden) und Klaus Kunold an die hier beigesetzten Zwangsarbeiterinnen verschiedener Nationen.
   Mit den Worten  Blumen hier als Zeichen der Hoffnung für einen würdevollen Umgang miteinander, für eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit  legte Annemarie Grajetzki an den Gräberfeldern 19 und 19a ein Blumengebinde nieder. Auch andere Personen legten von ihnen mitgebrachte Blumen nieder.
   Am Ehrenrundplatz, der  vierten Station, wurden 1947 die Urnen von ermordeten linkssozialistischen und kommunistischen Wiederstandskämpfern beigesetzt. Günter Gleising, stellvertretender Vorsitzender der VVN-BdA Bochum und Ratsherr der Sozialen Listen  im Rat der Stadt Bochum, würdigte die zentrale Lage dieses Platzes auf dem Friedhof, die, bedingt durch die Errichtung einer Gedenkstele 2008, neu gestaltet wurde.
   Die Ehrengrabstätte von Fritz Husemann bildete die  fünfte Station des Gedenkweges. Husemann, ehemaliger Reichstagsabgeordneter und Vorsitzender des Alten Bergarbeiterverbandes ist hier mit 19 anderen im Konzentrationslager umgekommnen sozialdemokratischen Nazigegnern beigesetzt. Hier sprach Thorsten Kröger, der 2. Vorsitzende der SPD-Unterbezirkes, Worte des Gedenkens. Der Gedenkgang endete am Hochkreuz und dem Mosaik im Eingangsbereich des  Friedhofes. Klaus Kunold sprach einige Worte zum Abschluss, bedankte sich bei allen Anwesenden für ihre Teilnahme.
   Der Gedenkgang war eine würdevolle Veranstaltung für die Opfer der Nazidiktatur. 

                                                        (Klaus Kunold/ Siegfried Evers)