Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2014                          Nr. 18

Inhaltsverzeichnis

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Die Fragen, die wir uns stellen, so der Gedächtnisforscher und Nobelpreisträger Erich Kandel, haben damit zu tun, wer wir sind und woher wir kommen. Die BUXUS STIFTUNG lädt ein, Fragen an die Geschichte zu stellen. Was macht Menschen stark selbst unter extremen Bedingungen?

HAUS DER HUMANITÄT
Ein Projekt der BUXUS STIFTUNG gGmbH

Das Projekt „Haus der Humanität“ ist derzeit noch ein virtuelles, das heißt digitales Projekt. Auf einer speziell für das Projekt entwickelten Plattform im Internet werden ab dem Jahr 2015 Geschichten von Menschen erzählt, deren Haltung, Mut und Eigensinn sie gegen den Strom schwimmen lässt. Weil ihr Gewissen, ihre Menschlichkeit, ihnen dies gebietet.

Die Motive für ihren Eigensinn und ihre Hilfsaktionen sind unterschiedlich. Ihr Handeln ist mit Risiken verbunden, manchmal existenzgefährdend oder sogar lebensgefährlich. Sie geben Hoffnung und Orientierung, indem sie Konformismus widerstehen und zivilen Ungehorsam üben, auf den Demokratie angewiesen ist. Indem wir die Geschichten erforschen, sie kreativ zum Ausdruck bringen und miteinander vernetzen, sind sie als Kraftquellen lebendig.

Beispielhaft an Vorbildgeschichten wird menschliches Denken und Handeln vergegenwärtigt. Es verbindet sie, dass sie von Schicksalen und Menschen erzählen, die sich für unsere Gemeinschaft und ein friedliches Zusammenleben einsetzen, sich selbst treu bleiben und auch unter widrigen Bedingungen für die Wahrung menschlicher Würde entscheiden.

Fritz Bauer (1903-1968)

Als erste der Vorbildgeschichten haben wir Auszüge aus der Biographie des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer gewählt. Der Sozialdemokrat wurde 1933 von den Nazis ins Konzentrationslager gesperrt, seit 1936 lebte er im Exil. Dennoch kehrte Bauer 1949 in die Bundesrepublik zurück. Mit dem Widerstandsgeist eines jungen Demokarten, den Antisemitismus und Militarismus bereits früh im ersten Weltkrieg aufgeschreckt und politisiert hatten, setzte er sich nach dem zweiten Weltkrieg für den Aufbau der Demokratie und eine humane Rechtsordnung ein.

Fritz Bauers Wirken wurde von Verfolgung, Intrigen und Morddrohungen begleitet. Trotzdem ließ er sich nicht beirren. Er war die Stimme der Überlebenden. Robert M. W. Kempner, Ankläger im Nürnberger Prozess, sagte über ihn: „Er war der größte Botschafter, den die Bundesrepublik hatte.“

BUXUS STIFTUNG

Die BUXUS STIFTUNG, die das Projekt ermöglicht, wurde gegründet, damit die Stimmen von Überlebenden wirksam bleiben. Ein gemeinsamer Erlebnisraum entsteht, der die Möglichkeit bietet, Schlüsse für das eigene Leben und gesellschaftliche Handeln zu ziehen.

Kontakt

Die Historikerin Irmtrud Wojak initiierte das Projekt „Haus der Humanität“. Sie wird vom 1. September 2014 - 31. Mai 2015 am Radcliffe Institute for Advanced Study der Harvard Universität (USA) die Geschichten mutiger Menschen erforschen, die sich die Sisyphos-Arbeit der Entnazifizierung zur Aufgabe gemacht haben.
Irmtrud.Wojak@buxus-stiftung.de

(Irmtrud Wojak)