Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2014                          Nr. 18

Inhaltsverzeichnis

„Die Erinnerung muss das Vergessen besiegen“
Verleihung der Dr. Ruer-Medaille an Hannes Bienert

In einer Festveranstaltung in der Bochumer Synagoge verlieh die Jüdische Gemeinde Bochum Herne Hattingen am 17. Oktober 2013 die Dr. Ruer-Medaille an Hannes Bienert. Neben Axel Schäfer, Bochumer Bundestagsabgeordneter, der die Laudatio hielt, ehrten viele Gäste Hannes Bienert, darunter Bochums Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz, Serdar Yüksel, Landtagsabgeordneter, Michele Müntefering, Bundestagsabgeordnete aus Herne sowie Freunde und Weggefährten.

HannesBienertGewürdigt wurde Hannes Bienert u. a. für seinen „unermüdlichen Einsatz um das Gedenken an die jüdischen Bürger aus Wattenscheid, die Opfer des faschistischen Gräuelregimes wurden.“ Er habe durch sein Engagement Solidarität und Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft bewiesen und „aufgezeigt, dass jüdisches Leben ein Teil unserer Gesellschaft war und ist.“

In seiner Laudatio zeichnete Axel Schäfer das Leben des inzwischen 86-Jährigen nach wie auch seinen Einsatz für das Erinnern an die schreckliche Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft, und auch sein unbeirrbares Engagement gegen Gleichgültigkeit der Gesellschaft nach dem Krieg, sich mit dieser Zeit auseinanderzusetzen. Der Widerstand gegen das Aufkeimen neonazistischer Entwicklungen, die in Wattenscheid ihren Höhepunkt mit der Eröffnung der Landeszentrale der NPD in Wattenscheid in den 80-er Jahren des 20. Jh. fand, bedrohte nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Familie, indem diese ihm öffentlich den Tod androhten und ein BeerdBienertUrkundeigungsinstitut beauftragten, seine Leiche abzuholen.
Hannes Bienert ließ sich von diesen Drohungen nicht einschüchtern, sondern verstärkte mit anderen Gleichgesinnten durch die Gründung der Antifaschistischen Initiative in Wattenscheid (ANTIFA) den Widerstand. Bis heute setzt er sich gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und für Aufklärung - besonders unter Jungendlichen ein.

Schülerinnen und Schüler Wattenscheider Schulen motivierte er, sich mit der faschistischen Geschichte zu befassen. Über 30 SchülerInnen besuchten daraufhin mit ihren Lehrern das KZ Auschwitz und brachten von dort den Hinweis auf Betty Hartmann mit, die mit 13 Jahren als jüngste Wattenscheiderin dort ermordet worden war. (Wie Hannes Bienert mit anderen Mitengagierten erreichte, dass nun der Platz vor dem Wattenscheider Rathaus „Betty-Hartmann-Platz“ heißt, berichteten wir in unserem letzten Mitteilungsblatt).

Hannes Bienert hatte nicht nur Neofaschisten als Gegner, sondern wurde aufgrund seines eindeutigen Engagements oft auch aus dem ‚bürgerlichen Lager‘ öffentlich beschimpft.

Sein beharrliches Eintreten brachte ihm allerdings in der letzten Zeit zunehmend auch Unterstützung und Anerkennung, besonders auch, weil es ihm mit anderen gelungen war, eine würdige Gedenkstätte für die 87 jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Wattenscheid (s. Mitteilungsblatt 2013) ohne öffentliche Unterstützung zu realisieren. So verweist die Stadt Bochum auf ihrer offiziellen Homepage auf das Lebenswerk von Hannes Bienert hin.

Anfang 2014 hat der Filmemacher Bruno Neurath-Wilson Bienerts Biografie in einem beeindruckenden 50-minütigen Dokumentarfilm dargestellt unter dem Titel „Die Erinnerung muss das Vergessen besiegen“.
    BienertMedailleVorne            BienertMedailleRueck
Die Dr. Ruer-Medaille wird seit 2004 an Persönlichkeiten der nichtjüdischen Öffentlichkeit verliehen. Benannt ist der Preis nach Dr. Otto Ruer, Oberbürgermeister der Stadt Bochum von 1924 bis 1933. Im März 1933, nach Hissen der Hakenkreuzfahne auf dem Bochumer Rathaus, wurde Ruer daran gehindert, seine Amtsgeschäfte als Oberbürgermeister auszuüben und beurlaubt. Er starb am 29. Juni 1933 nach Tagen der Bewusstlosigkeit infolge einer Vergiftung in Berlin. (WAZ 20.03.2013)

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Feier zur Verleihung der Dr. Ruer-Medaille in der Synagoge
Fotos: Günter Nierstenhöfer

 Im Anschluss an die offizielle Verleihung in der Synagoge fand noch eine Feier mit den Gästen im „Matzen“, dem Restaurant- und Veranstaltungsraum statt, wo alle bei köstlichen Speisen und Getränken noch lange zum plaudern zusammen waren.

 

Matzen

MatzenLogo

MatzenOeffnungszeiten

(Günter Nierstenhöfer)