Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2014                          Nr. 18

Inhaltsverzeichnis

Die Porta Polonica – Dokumentationsstelle zur Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland

Im August 2013 nahm die Dokumentationsstelle zur Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland ihre Arbeit in Bochum auf. Die Gründung der Dokumentationsstelle geht auf eine Initiative des Runden Tisches anlässlich des 20. Jahrestages des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrages im Jahr 2011 zurück und wird durch die Bundesregierung aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages finanziert.

Bochum wurde als Standort der Porta Polonica ausgewählt, da sich vor etwa hundert Jahren im Straßenzug der Klosterstraße (heute Am Kortländer) ein wichtiges Zentrum polnischen Lebens befand. Im Umfeld des Redemtoristenklosters hatten sich seit den 1880-er Jahren zahlreiche polnische Organisationen angesiedelt, die im Zuge der umfangreichen Zuwanderung von Polen aus den preußischen Ostprovinzen entstanden waren. Während sich unter der deutschen Bochumer Bevölkerung für die Klosterstraße die schlichten Bezeichnungen „Polnischer Querschlag“ oder „Klein Warschau“ einbürgerten, wurde die Klosterstraße für die polnischen Migranten zur “Kuznia Bochumska”, zur “Bochumer (Kader-) Schmiede”. Es ist in Abhängigkeit von der Finanzierbarkeit geplant, dass die Porta Polonica ihren Sitz im symbolträchtigen „Polnischen Haus“ in der ehemaligen Klosterstraße bezieht.

Die Dokumentationsstelle will die Spuren und Einflüsse des polnischen Lebens in Deutschland erforschen, dokumentieren und im Internetportal, der „Porta Polonica“, sichtbar machen. Die Ausrichtung der Porta Polonica beschränkt sich aber keinesfalls auf die Darstellung christlich-polnischer oder national-polnischer Einflüsse, sondern umfasst explizit auch polnisch-jüdische Spuren.

Die erste Ausbaustufe, der „Atlas der Erinnerungsorte“, der bereits am 12. Juni 2014 mit seinen ersten Einträgen frei geschaltet wurde, bietet dem Nutzer die Möglichkeit auf einer virtuellen Landkarte Deutschlands Informationen zu einzelnen „Erinnerungsorten“ zu erhalten. Diese „Erinnerungsorte“ beziehen sich z. B. auf Personen, Ereignisse, Symbole oder Institutionen und umfassen die Zeitspanne vom vornationalen Zeitalter bis heute. Auch die Dokumentation der polnisch-jüdischen Spuren in Deutschland wird anhand derartiger Kategorien dargestellt werden. Der Begriff „polnisch-jüdisch“ wird bei der Porta Polonica nicht sprachlich oder staatsbürgerlich verstanden, sondern bezieht sich auf die gemeinsame kulturelle Identität des historischen 14 polnischen Judentums, die auch nach den Teilungen Polens weitgehend erhalten blieb. Die Dokumentation polnisch-jüdischen Lebens in Deutschland wird unter anderem durch die Darstellung einzelner Zentren polnisch-jüdischer Migration (z. B. Berlin, Ruhrgebiet), zentraler „Orte“ polnisch-jüdischen Lebens (wie Gebetsstuben, Cafés, Geschäfte, Vereine, Organisationen) und auch der Darstellung der Verfolgung (Lager, Deportation 1938) umgesetzt werden. Auch das Thema „polnisch-jüdische DPs in Deutschland“ wird im Atlas der Erinnerungsorte Berücksichtigung finden. Ebenso werden auch bedeutende Persönlichkeiten, wie beispielsweise Martin Buber, Joseph Roth oder Billy Wilder vorgestellt. Um aber auch die „breite Masse“ der polnisch - jüdischen Einwanderer im Atlas sichtbar zu machen, wird die Porta Polonica exemplarische Biographien vorstellen. Auf diese Weise können die einzelnen Einwanderergenerationen, die unterschiedlichen Ursachen der Migration, wie auch die mannigfaltigen politischen, religiösen und kulturellen Orientierungen veranschaulicht werden. Es ist geplant durch ausgewählte Lebensläufe unterschiedliche Verfolgungsschicksale aufzuzeigen. Um eine möglichst facettenreiche Darstellung zu gewährleisten, wird die Porta Polonica auch mit Fotos und Dokumenten, sowie Film- und Tonmaterial arbeiten.

Unsere stellvertretende Vorsitzende, Sabine Krämer, wird das Thema polnisch-jüdische Einwanderer bei der Porta Polonica bearbeiten. (sabine.kraemer@porta-polonica.de)

Möglicherweise finden sich unter den Lesern dieses Artikels Personen, die über Informationen oder Dokumente zu diesem Thema verfügen oder die Kontakte zu Menschen herstellen können, die uns bei den Recherchen weiterhelfen könnten.

Wir wären sehr dankbar

(Sabine Krämer)