Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2016                          Nr. 20

Inhaltsverzeichnis

Erinnerung an Hannes Bienert

Bienert1Am 28. Oktober 2015 starb Hannes Bienert im Alter von 87 Jahren. Gesundheitlich war er schon länger angeschlagen. Die Beine wollten nicht mehr, doch das hielt ihn nicht von seinem Engagement ab. Noch zur Gedenkveranstaltung am 9. November 2014 ließ er sich im Rollstuhl fahren, erinnerte und mahnte in einer ihm eigenen ‚sehr  ausführlichen‘ Rede an den Stelen - dem Ort, wo die Synagoge in Wattenscheid vor der Zerstörung 1938 gestanden hatte. Auch das Gedenken 2015 plante er mit klaren  Vorstellungen, als ich ihn im Sommer noch besuchte. Selbst das lästige Sauerstoffgerät, das er in der Wohnung immer wieder brauchte, konnte seine Gedanken und Pläne nicht bremsen. Mit seitenweisen  Notizen und dem Telefon bereitete er alles genau vor ... bis er eineinhalb Wochen vorher starb.

Durch sein langes, konsequentes antifaschistisches Wirken und sein vielfältiges Engagement für eine Gesellschaft ohne Rassismus und Krieg setzte er viele Zeichen - besonders in Wattenscheid, wo er nach Krieg und Flucht bis zum Schluss lebte. Vor allem war er immer wieder in Kontakt mit Jugendlichen. Für viele war er aufgrund seiner Erfahrungen und seines konsequenten Lebens ein Vorbild und bewirkte bei manchen, sich mit der Vergangenheit kritisch auseinanderzusetzen und daraus Grundlagen für ein zukunftsorientiertes, friedliches Leben mit Menschen anderer Kulturen und Einstellungen zu ziehen.

Bienert2

Gedenkveranstaltung an den Stelen in Wattenscheid 9. Nov. 2014

Aufgrund seines aktiven konsequenten politischen Lebens konnte  er viel bewirken, wurde häufig angefeindet und geriet oft auch in Gefahr. All das konnte ihn aber nicht abhalten, sich für seine Ideale noch engagierter einzusetzen. Auch politische Gegner konnten gelegentlich nicht anders, als ihn wegen seiner Hartnäckigkeit zu unterstützen, als er die Umbenennung des Platzes vor dem Wattenscheider Rathaus in den „Betty-Hartmann-Platz“ betrieb. Betty Hartmann war mit 14 Jahren das jüngste Wattenscheider Opfer des Holocaust. Gegen alle Widerstände aus der Verwaltung stimmten die politisch Verantwortlichen letztendlich seinem Vorschlag einstimmig zu.

Wir berichteten mehrfach über Hannes Engagement – zuletzt über die Verleihung der „Dr. Ruhr-Medaille“ an ihn 2013.

Am 28.10.2013, auf den Tag zwei Jahre vor seinem Tod, zeichnete der Düsseldorfer Dokumentarfilmer Bruno Neurath-Wilson sein Leben in einem beeindruckenden ca. 50-minütigen Film nach.

Im Folgenden drucken wir einen Artikel aus der Wattenscheider WAZ zu seinem Tode ab, der wichtige Stationen seines Lebens und Wirkens anschaulich wiedergibt.

Bericht und Fotos Günter Nierstenhöfer