Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2016                          Nr. 20

Inhaltsverzeichnis

Verleihung der Dr. Ruer-Medaille an
Dr. Manfred Keller und Dr. Hubert Schneider

Am Sonntag, 25. Oktober 2015, ehrte die Jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen im Rahmen einer Feierstunde in der Synagoge Bochum den evangelischen Theologen Dr. Manfred Keller und den Historiker Dr. Hubert Schneider mit der Verleihung der Dr. Ruer-Ehrenmedaille, für deren Jahrzehnte langen vielfältigen Einsatz für das jüdische Leben in Bochum und Wattenscheid. *

Benannt ist der Preis nach Dr. Otto Ruer, von 1925 bis 1933 parteiloser Oberbürgermeister in Bochum, der als Sohn jüdischer Eltern von den Nationalsozialisten abgesetzt und durch Haft und Verleumdung in den Suizid getrieben wurde. *

Mit der Dr. Ruer-Ehrenmedaille ehrt die jüdische Gemeinde seit 2004 Persönlichkeiten der nichtjüdischen Öffentlichkeit, die sich um die jüdische Gemeinschaft besonders verdient gemacht haben. *

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bochum, Herne, Hattingen Grigory Rabinovich begrüßte die Gäste und Ehrengäste und freute sich, dass so viele der Einladung gefolgt waren.

An der Verleihung nahm auch Bundestagspräsidenten Prof. Norbert Lammert teil, der in Bochum wohnt und in seinem Grußwort an den Empfang des ersten deutschen Botschafters Pauls in Israel und die Entwicklung der deutsch-israelischen Beziehungen erinnerte. Die Verleihung der Dr. Ruer-Medaille sei eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken. Sehr oft würden diese, besonders in unserer Gesell- schaft auf die Shoa und den Antisemitismus reduziert. Er sprach sich für eine Neuorientierung mit besonderem Blick  auf das Zusammenleben aller religiösen und nichtreligiösen gesellschaftlichen Gruppen für die Zukunft aus.

Auch der neue Bochumer Oberbürgermeister Thomas Eiskirch sah in der Ehrung dieser beiden Bochumer Persönlichkeiten ein wichtiges Ereignis für unsere Stadt und die Einbindung der jüdischen Gemeinde in die  Stadtgesellschaft. Ebenfalls anwesend waren seine beiden Vorgänger Dr. Ottilie Scholz und Ernst-Otto Stüber, der die Medaille 2004 erhalten hatte sowie viele Politiker und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Bochum, Herne und Hattingen, den Städten der Jüdischen Gemeinde.

Verleihung1

Dr. Manfred Keller hat sich in seiner langjährigen Zeit als Leiter der Evangelischen Stadtakademie Bochum (1973 – 2006) immer wieder intensiv mit dem jüdischen Leben in dieser Stadt auseinandergesetzt. Als beispielhaft gelten seine Veröffentlichungen zu den jüdischen Friedhöfen in Bochum, zur jüdischen Kultur in Bochum und dem Ruhrgebiet wie z.B. zum Wirken des letzten Kantors der jüdischen Gemeinde vor deren Vernichtung durch die Nationalsozialisten, Erich Mendel, bis hin zum Projekt „Stelenweg. Jüdisches Lebens in Bochum und Wattenscheid“, das an authentischen Orten an das Zusammenleben von Juden und Nicht-Juden in Bochum erinnert. *

Dr. Hubert Schneiders Verdienst ist einerseits die historisch präzise Aufarbeitung der jüdischen Vergangenheit, z.B. durch seine Darstellung der Geschichte der „Judenhäuser“ in Bochum, aber besonders sein unermüdlicher Einsatz gegen den bis in die neunziger Jahre noch vielfältigen Widerstand für einen Besuch überlebender ehemaliger Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Bochum und die detaillierte Aufarbeitung zahlreicher jüdischer Familienschicksale; genauso wie seine Arbeit als Vorsitzender des Vereines „Erinnern für die Zukunft“. *

Prof. Günter Brakelmann zeigte in seiner sehr engagierten Lau- datio das Wirken der Geehrten für die Bochumer Zeitgeschichte auf und belegte dies zusätzlich mit einer Auswahl von über ein- hundert Veröffentlichungen der beiden.

Brakelmann wirkte fast 25 Jahre Professor für christliche Gesellschaftslehre an der Ruhr-Universität Bochum, darüber hinaus war er in vielen kirchlichen und gesellschaftlichen Gremien aktiv. Er äußert sich immer wieder zu sozialen und gesellschaftlichen Themen und zeichnet sich durch eine sehr klare Sprache aus. Neben seinen theologischen Themenschwerpunkten befasste er sich mit der Geschichte des Antisemitismus und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, wozu er verschiedene Werke veröffentlichte und somit der richtige Laudator war.

Verleihung2

Vordergrund v.l.: M. Keller, ehem. Oberbürgermeisterin O. Scholz, H. Schneider,
M. Preuß
Die so * gekennzeichneten Passagen wurden aus einer Veröffentlichung der Evangelischen Stadtakademie übernommen.

Bericht u. Fotos Günter Nierstenhöfer