Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2004                             Nr. 8

Inhaltsverzeichnis

 

Bochum bekommt eine neue Synagoge

So oder ähnlich lautete seinerzeit die Mitteilung an die Bochumer Bürger, als im 19. Jahrhundert eine neue Synagoge gebaut wurde. Gebaut wurde diese an der Wilhelmstraße, jetzt Huestraße.

Die Nazis haben diese Synagoge zerstört. Jetzt, ungefähr sechzig Jahre nach der Beendigung des nationalsozialistischen Terrors, wird wieder eine neue Synagoge entstehen. Die Stadt Bochum hat der Jüdischen Gemeinde an der Castroper Straße neben dem Planetarium einen Bauplatz zur Verfügung gestellt.

Die Erstellung eines solchen Gotteshauses ist auch mit erheblichen Kosten verbunden. Teilweise wird eine Mitfinanzierung des Gebäudes durch die Landesregierung erfolgen. Die Jüdische Gemeinde Bochum hat leider nicht hinreichende Mittel, so dass weitere Kredite, z.B. vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe gegeben werden. Zugleich sind wir auch auf die Hilfe von Privatpersonen angewiesen. Im Jahre 2003 wurde daher ein „Freundeskreis Bochumer Synagoge“ gegründet, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Gemeinde bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Dieser Freundeskreis wird Projekte durchführen und sich beteiligen, sowohl moralisch als auch finanziell. Zur Zeit sind bereits über 300 Personen dem Freundeskreis beigetreten. Wie bei solchen Projekten üblich wird ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben.

Die Jüdische Gemeinde Bochum empfindet den Bau einer Synagoge als eine, wenn auch späte, so doch richtige Wiederherstellung des vorherigen Zustandes. Positiv wird hierbei bewertet, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder so normal sein muss wie vor 1933.

Trotz der breiten Zustimmung zum Bau dieser Synagoge gibt es auch Leute, die damit nicht einverstanden sind.  Die NPD, eine rechte Partei, hat zu Protesten gegen den Neubau aufgerufen. Im März 2004 wurde von dieser Partei eine Demonstration mit der Zielsetzung angemeldet, keine neue Synagoge in Bochum zu bauen. Als Deckmäntelchen wurde vorgetragen, man sei gegen Steuerverschwendung. Diese Demonstration wurde verboten, das Bundesverfassungsgericht hat das Verbot der Bochumer Polizeibehörde bestätigt. Die NPD hat darauf im Juni 2004 eine weitere Demonstration beantragt mit leicht verändertem Tenor. Das Bundesverfassungsgericht hatte dagegen keine Bedenken, so dass eine solche Demonstration von der NPD durchgeführt wurde.
Im März gingen gegen diese NPD-Demonstration rund 1500 Bochumer Bürger auf die Straße, um für den Bau der Synagoge zu demonstrieren. Es gab ein breites Bündnis Bochumer Bürger und Politiker, Kirchenvertreter und Vertreter öffentlicher Einrichtungen. Im Juni, als das Bundesverfassungsgericht die Demonstration der NPD für zulässig erklärte, rief der Bochumer Oberbürgermeister zu einer Mahnwache in der Innenstadt auf. Im Juni demonstrierten etwas über 200 NPD – Sympathisanten unter dem Motto „Keine Steuergelder für den Synagogenbau“. Begleitet wurde diese Demonstration von knapp 1000 Beamten der Polizei und des Bundesgrenzschutzes, sowie zwei Vertretern der Staatsanwaltschaft. Auf der Kundgebung der NPD wurde von dem Vorsitzenden der Landeszentrale der NPD eine Rede gehalten, die zumindest im zweiten Teil eindeutig antisemitisch war. Hierdurch wurde auch klar, dass die vordergründige Behauptung, die NPD wende sich gegen Steuerverschwendung, vorgeschoben war. Der NPD geht es um die Aufrechterhaltung des von den Nazis seinerzeit begangenen Unrechts, nämlich der Niederbrennung der Synagogen. Das Argument der Steuerverschwendung ist offensichtlich vorgeschoben.

Es steht zu befürchten, dass vor den Kommunalwahlen im September 2004 die NPD mit ähnlichen Aktionen an die Bürger heran treten wird. Wünschenswert ist, dass viele Bochumer Bürger dem entgegen treten und deutlich machen, dass es nicht nachvollziehbar ist, warum in einer Stadt, in der es katholische und evangelische Kirchen, sowie Moscheen gibt, nicht Raum für eine Synagoge sein soll. Gleichzeitig  bitten wir alle Bochumer Bürger, die diese Meinung teilen, dem Freundeskreis Bochumer Synagoge beizutreten.
Sie erreichen den Freundeskreis unter folgender  Anschrift: „Freundeskreis  Bochumer Synagoge“ Graffring 16, 44795 Bochum Telefon 0234/ 435230

Shalom
(Ruth Engler,
Gemeinderatsvorsitzende)