Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2004                             Nr. 8

Inhaltsverzeichnis

Gedenken an die Opfer der Shoah in Bochum: Das Projekt Stolpersteine

Die jahrelange Diskussion um ein angemessenes Gedenken an die Opfer der Shoah in Bochum hat schließlich zu einer Lösung geführt: Der Kulturausschuss der Stadt Bochum hat sich für die Übernahme des Projekts „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig entschlossen. Die Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln im Straßenpflaster vor Wohnhäusern, aus denen Opfer des NS-Terrors deportiert wurden. Auf den kleinen Bronzetafeln werden Name und Daten der Deportierten verzeichnet.

 Dem Anfertigen und Verlegen der Steine gehen umfassende Recherchen zur Geschichte der jeweiligen Deportierten voraus, die nicht von Amts wegen, sondern von Bürgern unserer Stadt durchgeführt werden. Gedacht ist dabei an Menschen, die einen persönlichen Beitrag leisten wollen, die Erinnerung an die Schreckensherrschaft wach zu halten. Es sind Schüler, Schulklassen, die sich weit über den Geschichtsunterricht hinaus engagieren und das Schicksal jüdischer Familien in Bochum erforschen wollen.

 Gunter Demnigs künstlerische Arbeit will mehr als an eine abstrakte Vergangenheit erinnern. Jeder Stolperstein –Demnig fertigt und verlegt alle Gedenktafeln selbst – drückt aus: Es passierte vor aller Augen. Was geschah, konnte geschehen, weil es Mitläufer gab, Duckmäuser, Denunzianten. In jeder Stadt, womöglich in jeder Straße. Das macht die Stolpersteine so verstörend. Und das macht sie auch so wichtig.

 Bisher hat Demnig mehr als 3500 der zehn mal zehn Zentimeter großen Tafeln in 34 Städten verlegt. Köln war eine der ersten Städte, die das Konzept übernahmen. Es stieß sofort auf große Resonanz. „So ein Projekt hängt von der Akzeptanz der Menschen ab. Und die Akzeptanz ist da“, sagte der Pressesprecher der Stadt.

 In Freiburg hat sich der Stadtrat im November 2002 einstimmig für die Stolpersteine ausgesprochen. „Die Verwaltung befürwortet, auch auf dem Hintergrund der positiven Erfahrungen in anderen Städten, die Realisierung", heißt es in der Beschlussvorlage. Matthias Reichelt von der „Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst“ in Berlin hat Demnigs Arbeit bereits 1996 gemeinsam mit dem städtischen Kunstamt im Rahmen der Aktion „Künstler forschen  nach Auschwitz“ vorgestellt. An der Aktion waren auch Künstler wie Art Spiegelmann und die Münchnerin Beate Passow beteiligt. Inzwischen wurden in Berlin zahllose Stolpersteine verlegt, die, so Reichelt, „die Menschen im Alltag abholen.“ Demnig führe bewusst „weg vom  pompösen Gedenken“.

 Auf breite Unterstützung stößt  die Aktion auch in Hamburg. Der Erste Bürgermeister Ole von Beust hat sich in einem Brief für die Verlegung der Steine bedankt. „Ich betrachte die Initiative als eine beispielgebende Aktion, die uns daran erinnert, dass wir durch Duckmäuserei dem Terror den Weg geebnet haben.“

 „Stolpersteine“ nun also auch in Bochum. Ich denke, das ist gut so. Wenn die Idee in der Stadt akzeptiert wird, dann  werden sich viele Bürger an der Erinnerungsarbeit beteiligen und das über Jahre. Die ersten Steine sollen im November diesen Jahres verlegt werden, das ist auch eine gute Idee. So könnte die Aktion in den nächsten Jahren zum festen Bestandteil der Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an den November 1938 werden.

 Der Kulturausschuss der Stadt Bochum ist auch der Meinung, dass das zunächst alternativ diskutierte Modell „Stationen jüdischen Lebens in Bochum“, das ja an die lange  Geschichte jüdischen Lebens in Bochum erinnern soll, durchaus mit dem Projekt „Stolpersteine“ verknüpft werden kann. Wir werden weiter darüber berichten.

 (Hubert Schneider)