Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2004                             Nr. 8

Inhaltsverzeichnis

Stadtrundgang „Jüdisches Leben in Bochum“

Für Samstag, den 13. März 2004 hatten Neonazis aus der Region  in Bochum eine Demonstration  unter dem Motto: „Stoppt den Synagogenbau – Keine Verschwendung von Steuergeldern“ angekündigt. Um diese angekündigte Provokation zu verhindern, hatte sich ein breites Bündnis unterschiedlicher Organisationen, Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen gebildet. In diesem Bündnis arbeitete auch die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten“ (VVN-BdA) aktiv mit.

Der Vorstand überlegte, welchen Beitrag die VVN-BdA zur Vorbereitung der Gegendemonstration bzw. welche Argumente wir der populistischen Propaganda der Neonazis entgegensetzen können.

Wir einigten uns, einen Stadtrundgang mit dem Inhalt „Jüdisches Leben in Bochum“ anzubieten. Mit einer Presseerklärung wandten wir uns an die Öffentlichkeit. Interessierte Bürgerinnen und Bürger luden wir für Samstag, den 6. März 2004 auf den Dr.-Ruer-Platz ein, nahe beim ehemaligen Standort der im November 1938 von den Nazis zerstörten Synagoge. Die ca. 80 Teilnehmer/Innen setzten sich vorwiegend aus jungen Menschen zusammen. Der Stadtrundgang wurde von Christine Eiselen (Arbeitskreis 9. November) und Klaus Kunold (Vorsitzender VVN-BdA Bochum) gestaltet.

Auf dem Dr.-Ruer-Platz wurde von den Anfängen jüdischen Lebens in Bochum (1349) und Wattenscheid (1511) berichtet. Des weiteren wurde in anschaulicher Weise die Entwicklung und das Wachsen der jüdischen Gemeinde bis zur Reichspogromnacht im November 1938 dargestellt. Der Machtantritt der Nazis war ein großer Einschnitt in das Leben der Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens in unserer Stadt. Vom Dr.-Ruer-Platz führte der Rundgang zum Husemannplatz (früher Kaiser-Wilhelm-Platz), an dem sich die Gerichtsgebäude befinden. Die nächste Station war das frühere Kaufhaus Alsberg (heute Kortum). Der Stadtrundgang endete dann an der Goethestraße 9, an der Stelle, an dem das frühere Wohnhaus der Ehelaute Dr. Sigmund und Ottilie Schönewald stand. Besonders an den ehemaligen Wohnorten jüdischer Bürger konnten sehr eindringlich die Einzelschicksale dargestellt werden.

An dem Rundgang nahm auch eine junge Journalistin der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) teil, die darüber in der Zeitung berichtete: „Der Eindruck des trotz Schnee und Kälte gelungenen Stadtrundganges wurde lediglich durch das Verteilen von Flugblättern gegen den Synagogen-Bau durch Angehörige der ‚rechten Szene‘ getrübt“.

 (Klaus Kunold)