Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2004                             Nr. 8

Inhaltsverzeichnis

Besuch in Bochum: Lotte Goldman aus Washington/ DC (USA) und die Brüder Schnitzer aus Toronto bzw. Montreal/ Kanada

Im September 2003 konnte der lang gehegte Wunsch, noch einmal die Stadt, die sie in den 30-iger Jahren verlassen mussten, zu besuchen, in Erfüllung gehen. Auf Einladung der Stadt Bochum kamen Lotte Goldman in Begleitung ihrer Freundin Janet Smith aus Perrysburg/ Ohio und die Brüder Moritz und Edmund Schnitzer zusammen mit dessen Ehefrau Fay Schnitzer.

Lotte Goldman war früher in der heutigen Bongardstraße zu Hause, ihre Eltern betrieben das damals sehr bekannte Haushalts- und Spielwarengeschäft „A. Reichenberg“; die Familie hatte das Glück, 1938 noch mit einem Visum in die USA zu gelangen.

Die Familie Schnitzer dagegen stammt aus Wattenscheid, heute zu Bochum gehörig. Im letzten Mitteilungsheft berichteten wir davon, dass bis vor zwei Jahren das Schicksal der Familie noch ungeklärt war. Erst als unserem Verein ein Buch zugesandt wurde, das dieses Schicksal auf wunderbare Weise klären sollte, kam der Kontakt zu Moritz Schnitzer zustande, eine Einladung der Stadt Bochum wurde ausgesprochen.

Bei strahlendem Spätsommerwetter konnte das umfangreiche Programm, das die Stadt ausgearbeitet hatte, mit der Begrüßung durch Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber beginnen. Stadterkundungen, Friedhofsbesuche, Gottesdienst in und Begegnung mit der jüdischen Gemeinde, dazu Ausflüge in die Umgebung, gemeinsame Mahlzeiten wurden im wesentlichen von Herrn Kreutz, teilweise auch mit dessen Frau, begleitet. Oft war dabei Alfred Salomon von der alten jüdischen Gemeinde mit von der Partie. Andreas Halwer, der sich besonders in Wattenscheid gut auskennt, übernahm für die Familie Schnitzer so manche Sonderführung.

Ein glücklicher Zufall führte die Besucher auch in das gerade zu diesem Zeitpunkt stattfindende Konzert von Louis Lewandowski „Meisterwerke synagogaler Musik“ in der Luther - Kirche, dem Veranstaltungsort der Evangelischen Stadtakademie. Herr Dr. Keller begrüßte die Gäste persönlich, anschließend konnte man einem jüdischen und zwei christlichen Chören lauschen.. Der erst genannte war „Bat Kol David“, ein Chor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Westfalen, den offensichtlich der Landesrabbiner H. Brand ins Leben gerufen hatte, wie dieser in seinen Dankesworten bemerkte.Auch für Interviews stellten sich Lotte Goldman, Moritz und Edmund Schnitzer  Hubert Schneider zur Verfügung. Auf diesem Weg wird das Wissen über das jüdische Leben in Bochum und Wattenscheid zu der damaligen Zeit vervollkommt.

Aus meiner Sicht kam es am 15. September zu einer wunderbaren Begegnung zwischen allen Gästen und den Mitgliedern des Vereins ERINNERN FÜR DIE ZUKUNFT. Ob es an der warmen Altweibersommersonne lag oder an der Aufgeschlossenheit und Unbefangenheit aller, miteinander ins Gespräch zu kommen? Wahrscheinlich trug alles dazu bei, dass wir einen unvergesslichen Nachmittag und Abend auf unserem geräumigen Balkon verleben konnten.

(Ingrid Schneider)