Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2005                             Nr. 9

Inhaltsverzeichnis

„Es lebe das Leben...“
Die Freimarks aus Bochum – eine deutsch-jüdische Familie Briefe 1938-1946
Herausgegeben von Hubert Schneider

Zwischen Oktober 1938 und Oktober 1941 schrieben Karola und Simon Freimark aus Bochum 104 Briefe und Postkarten an ihre Kinder Stefanie und Gerhard, die wenige Tage vor der Pogromnacht zu Verwandten nach Philadelphia (USA) ausreisen konnten. Die Briefe dokumentieren in exemplarischer Weise, wie die nationalsozialistische Segregations- und Verdrängungspolitik vor Ort funktionierte:

    - wie die vormals voll in die Gesellschaft integrierten deutschen Juden zunehmend isoliert wurden und wie sich diese Isolierung in der Praxis auswirkte. Das wird auch dadurch erreicht, dass die Freimarks nicht nur ihr eigenes Schicksal beschreiben, sondern über die Geschicke sehr vieler Bochumer jüdischer Familien berichten;

    - an zahlreichen Punkten wird deutlich, dass dieser Verdrängungsmechanismus nur funktionierte, weil er von der Mehrheitsgesellschaft getragen wurde;

    - wir erfahren viele Details zur Gestaltung des jüdischen Lebens in Bochum, die bisher unkekannt waren (z.B. Schule, Gottesdienst, Umfang der Deportation jüdischer Männer nach dem 9.11.1938, Zwangarbeit der arbeitslosen jüdischen Männer, Errichtung der „Judenhäuser“ usw.).

Einmaligen Charakter erhält der Nachlass Freimark dadurch, dass über die Vorkriegs- und Kriegsbriefe der Eltern und einzelne Briefe an die Kinder von Freunden, Bekannten und Verwandten hinaus eine zweite Briefserie erhalten ist. Karola und Simon Freimark konnten nicht mehr emigrieren. Sie wurden im Juli 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Nach ihrer Befreiung im Mai 1945 warteten sie in dem Displaeced- Persons-Lager Deggendorf auf die Ausreise in die USA. Der Briefwechsel zwischen Eltern und Kindern wurde von Deggendurf aus sofort wieder aufgenommen. Überliefert sind 41 Briefe der Eltern und 22 Briefe der Kinder.

Diese Briefserie gibt in exemplarischerForm Hinweise darauf,

    - ob und wie es den Überlebenden der Lager gelingt, mit diesen Erfah- rungen zu leben. Die Rückkehr nach Bochum ist ausgeschlossen. Man beobachtet und kommentiert zwar die Entwicklung in Deutschland, der Bruch ist aber vollzogen;

    - wie sich das Leben derer gestaltet, die – wie die Kinder – rechtzeitig emigrieren konnten, wie sie damit umgehen, dass es ihnen nicht gelang, die Deportation der Eltern zu verhindern. Auch für die Kinder gibt es keine Rückkehr nach Deutschland mehr.

Für die Bochumer Lokalgeschichte muss der Quellenwert der Freimark- Briefe beim heutigen Stand der Forschung als sehr hoch eingestuft werden. Sie erweitern unseren Kenntnisstand zum jüdischen Leben in Bochum im Detail. Mit ihren Verweisen auf das Verhalten und die Schicksale vieler jüdischer Familien in Bochum ist eine empirisch gestützte Ausdifferenzierung der Verhaltensweisen möglich. Das ist auch interessant für die überregionale Forschung. ..

-----------------------------------------------------------------------------------

Hiermit bestelle ich ______ Exemplare des Buches „Es lebe das Leben...“ zum Preis von 29,90 Euro. Das Buch wird zum 10. Jahrestag des Besuches von Überlebenden der alten jüdischen Gemeinde Bochum zum 1. September 2005 erscheinen (Klartext-Verlag, 355 Seiten mit zahlreichen Abbildungen).

Name:

Adresse:


Datum und Unterschrift


Bitte schneiden Sie den Bestellschein ab und schicken Sie ihn an die Adresse des Vereins. Sie können das Buch auch telefonisch bei den Mitgliedern des Vorstands des Vereins bestellen.