Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2005                             Nr. 9

Inhaltsverzeichnis

9. November 2004 - Gedenken an die Pogromnacht 1938

Die Veranstaltung zum Gedenken an die Zerstörung der Bochumer Synagoge 1938 war in diesem Jahr durch einige Neuerungen geprägt:

Erstmalig fand sie nicht an der alten Gedenktafel an der Bank für Gemeinwirtschaft statt, sondern am Rande des Dr. Ruer-Platzes, direkt am Kaufhaus Kortum. Und an dieser Stelle wurde eine neue Stele aufgestellt, die an die Ereignisse des 9. November erinnert. Die Stelle wurde gewählt, weil von hier aus im November 1938 die einzig erhaltene Aufnahme von der zerstörten Synagoge gemacht wurde.

Die Diskussion um eine neue Gedenkstätte war 1995 von Frau Emmy Block angeregt worden. In der Folge hatte es lange Auseinandersetzungen um den Text auf der Stele und deren Standort gegeben – wir berichteten im letzten Mitteilungsblatt darüber.

Das Denkmal – eine ca. 120 cm hohe und ca. 40 cm breite flache Glasplastik - wurde von Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz enthüllt. In Anwesenheit auch von Altoberbürgermeister Stüber wies sie in einer engagierten Rede auf die Bedeutung der Erinnerung angesichts neu aufkommender Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus hin.

Die Hauptrede hielt Dr. Hubert Schneider. Er berichtete darüber, wie Bochumer Juden die Pogromnacht am 9. November 1938 und die ihr folgenden antijüdischen Maßnahmen erlebten. Dabei bezog er sich auf zeitnahe Briefe und Dokumente (den Text der Rede drucken wir in diesem Heft ab).

Eine Vertreterin der Jugendlichen wies in ihrer sehr persönlichen Rede darauf hin, dass wir aufgrund unserer schrecklichen Erfahrung in der jüngsten Geschichte in der Verantwortung stehen gegenüber Verletzungen von Menschenrechten und Menschenwürde in unserer heutigen Zeit, z.B. bei der Ablehnung und Unterbringung von Flüchtlingen, die in Deutschland um Asyl bitten. Gefordert sind wir aber auch, sagte sie, angesichts aufkommenden Rassismus und rechtsradikaler Aktivitäten in unserem Lande wachsam zu sein und uns offen dagegen zu stellen.

Mit dem Totengebet, gesprochen vom Kantor der Jüdischen Gemeinde, schloss die Veranstaltung, die vom studentischen Chor der Evangelischen Fachhochschule unter Leitung von Professor Herlyn umrahmt wurde.

PS. Die Diskussion um die neue Stele hört nicht auf. Es geht aber nicht mehr um den Text, sondern vielmehr um den Ort, an dem sie steht, und ihre Gestaltung. Sie steht eingezwängt zwischen Kaufhaus und Tiefgarage, ist so leicht zu übersehen. Der Glaskorpus bewirkt, dass die Schrift nur schwer zu lesen ist.

(Günter Nierstenhöfer)