Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2005                             Nr. 9

Inhaltsverzeichnis

Projekt neue Synagoge.
Eine neue Heimat für die jüdische Gemeinde.


Wie bereits im letzten Mitteilungsblatt ausgeführt, geht die jüdische Gemeinde mit großen Schritten auf den Neubau der Synagoge zu. Der seit 2003 tätige Freundeskreis unterstützte uns mit verschiedenen Aktivitäten, unter anderem mit der Durchführung eines Trödelmarktes, einem Infostand bei dem Stadtparkfest etc.. Zur weiteren Verbesserung der Arbeit hat sich aus dem Freundeskreis ein Beirat gebildet, der sich einmal im Monat trifft. Darüber hinaus war Anfang des Jahres die Mitgliederversammlung des Freundeskreises, auf der die Aktivitäten des letzten Jahres umfassend dargestellt wurden.

Der erste Schritt zur Realisierung einer neuen Synagoge war die Konzeption eines Gebäudes, das den unterschiedlichen Bedürfnissen und Aufgaben von jungen und älteren Menschen gerecht wird. Hierbei war zum einen darauf zu achten, dass die Räume so angeordnet sind, dass sie ihre Funktion optimal erfüllen und darüber hinaus aber auch nicht zu ausufernden Kosten führen. Ein weiterer Aspekt der Planung waren die leider zu berücksichtigenden Sicherheitsbelange, welche den Eindruck von Transparenz und Offenheit des Gebäudes nicht stören sollten. Zu vermeiden war hierbei, dass das Gebäude einen festungsartigen Anblick bietet, sondern gewünscht war und ist eine Hinwendung zu den Gemeindemitgliedern, aber auch zu den anderen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Bochum.

Das 4.300 qm große Grundstück der neuen Synagoge liegt am Rande der Innenstadt von Bochum in unmittelbarerer Nähe zum Stadtpark, dem Planetarium, dem Hildegardis-Gymnasium, dem Augusta-Krankenhaus, dem Museum Bochum und last not least den umliegenden Wohnhäusern.

Die neue Gemeinde soll nicht nur das Gemeindeleben durch die zahlreichen Angebote stärken und ausbauen, sondern wir möchten, dass das Gemeindeleben in das kulturelle Leben der Stadt Bochum integriert wird und auch nichtjüdischen Besuchern Möglichkeiten der Information und des gegenseitigen Austausches bietet.
Die Stadt Bochum führte für die jüdische Gemeinde und den Freundeskreis einen Architektenwettbewerb durch. Dieser wurde als sogenannter anonymer begrenzter Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt. Aus 3 Lostöpfen wurden 30 Architektur-Büros gezogen. Dazu kamen 6 renommierte Büros, die ebenfalls Entwürfe einreichen konnten. Die Jury und die Bewerber trafen sich zum Kolloquium am 12. November 2004, um das Grundstück und die Wettbewerbsaufgaben zu besprechen. Unter Vorsitz von Prof. Dr. Max Bächer hatte die Jury, bestehend aus Vertretern der Stadt Bochum, des Freundeskreises sowie verschiedenen Professoren für Architektur und dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde am 8. Februar 2005 die nicht leichte Aufgabe, die Wettbewerbsbeiträge zu bewerten und 4 dieser Beiträge zu prämieren. Die Stadt Bochum hatte darüber hinaus darum gebeten, dass der Neubau sich architektonisch in den städtebaulichen Kontext einfügt.

Die Jury setzte sich daraufhin mit den eingereichten Entwürfen auseinander und bewertete diese unter Beachtung funktionaler Kriterien wie eines gesamtästhetischen Bildes. Letztendlich verlieh die Jury dem Entwurf des Kölner Architekten Prof. Peter Schmitz, welcher in Kooperation mit der Landschaftsarchitektin Frau Prof. Ulrike Beuter von der Planungsgruppe Oberhausen entstand, den 1. Preis. Die Jury führte im Rahmen ihrer Bewertung aus, dass der vorgenannte Entwurf durch seine maßvolle Repräsentanz, die hohe Funktionalität und die gelungene städtebauliche Integration in das bestehende Wohnquartier letztendlich den 1. Preis verdiente. „Ein wesentliches Element dieses Entwurfs ist die Komplexität, mit der er sich mit dem Stadtraum, der Topografie und der landschaftlichen Situation auseinandersetzt." So lautete die Bewertung im Protokoll des Preisgerichts.

In funktionaler Hinsicht liegen auf einer Ebene Café und Jugendräume und auch die flexible Nutzungsmöglichkeit von Foyer, Gemeindesaal und Synagoge wurden von der Jury positiv bewertet. Ein zweites Problem entstand durch die künstliche Anlegung des Hügels und der weichmodellierten Form des Planetariums. Um hier einen Kontrapunkt zu setzen, wurde ein scharfkantiges Profil gewählt, sodass hier eine optimale Integration ins Wohnumfeld erfolgte. Innenarchitektonisch hat der Entwurf von Prof. Schmitz verschiedene mediterrane Aspekte genutzt, um auf der einen Seite einen Anknüpfungspunkt an den ursprünglichen Tempel von Jerusalem zu bieten, auf der anderen Seite aber auch eine Anknüpfung an die Grundidee des Nomadenzeltes durch die eingehängten Stoff- bahnen und den Baldachin im Innenraum der Synagoge. - Wer wollte, konnte sich nach der Feststunde im Museum Bochum, auf der die 4 Preisträger vorgestellt wurden, auch von den anderen Entwürfen einen Eindruck in einer Ausstellung im Museum machen.

Auf der Basis der Entscheidung der Jury entschied der Gemeinderat der Jüdischen Gemeinde dann am 16. Februar 2005, Herrn Prof. Schmitz den Auftrag zum Bau zu erteilen. Am 10. März 2005 stellte der Hauptpreisträger Prof. Schmitz während einer Gemeinderatssitzung das Projekt noch einmal ausführlich vor, und es gab auch die Möglichkeit, Fragen zum Projekt zu stellen. Die Schätzung der Baukosten ohne Möblierung und Grundstück geht von einem Gesamtvolumen von 7 Millionen Euro aus.

Die Grundsteinlegung wird am 14. November 2005 erfolgen. Anwesend werden sein der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Herr Rüttgers, und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Herr Spiegel. Weiterhin werden anwesend sein Vertreter der Stadt Bochum, natürlich auch die Gemeindemitglieder, und, so hoffen wir, auch eine große Anzahl der nichtjüdischen Bewohner von Bochum. Nach der Grundsteinlegung findet ein Empfang statt. Nach der jetzigen Planung soll im Frühjahr 2006 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Einweihung der Synagoge soll dann im August 2007 erfolgen. Es wäre uns eine besondere Freude, Sie nach Fertigstellung der neuen Synagoge gelegentlich eines Besuches in Bochum begrüßen zu dürfen.

(Ruth Engler)
 

ModellSynagoge