Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2005                             Nr. 9

Inhaltsverzeichnis

Reise nach Israel

 Im April 2005 besuchten Ingrid und Hubert Schneider gut 2 Wochen Israel. Sie folgten einer Einladung von Hermann Brecher. Ziel der Reise war auch, andere frühere Bochumer zu besuchen.

Nein, Israel als Reiseziel steht im Moment nicht hoch im Kurs. Im Winter/ Frühjahr 2005, als wir eine Reise dorthin planten, die politische Lage in Nahost sich etwas entspannt hatte, war nicht einmal ein aktueller Reiseführer zu bekommen. Aber historische Sehenswürdigkeiten waren auch nicht unsere primäre Absicht, in dieses Land zu kommen. Im Vordergrund stand, Kontakte zu pflegen mit früheren Bochumern, die in Israel leben.

Allen voran ist das Hermann Brecher, der uns eingeladen hatte. Nach dem Tod seiner Frau ist er vor einigen Jahren von Jaffa nach Jerusalem gezogen. Hier lebt er nun mit einer Lebensgefährtin, Helena Ber, die ebenfalls Witwe ist und aus Polen stammt, so dass ihre gemeinsame Sprache Polnisch ist.

Durch ihre Fürsorge werden die Begegnungen mit den anderen ehemaligen Bochumern möglich, der Empfang ist bei allen sehr herzlich. Schon am zweiten Tag geht es nach Norden an der Mittelmeerküste entlang über Haifa hinaus nach Kiria Motzkin zu Inge Belik geb. Salomon. Sie lebt hier mit ihrem Mann Erich seit Jahrzehnten. Mit ihrem Poesiealbum aus den 30iger Jahren taucht man schnell in die Vergangenheit Bochums ein. Erinnerung an die Personen, die in Gedichtform ihre Spuren hinterlassen haben: Etliche, die den Schergen entkommen konnten, andere wiederum nicht.

Siegfried Spandau wohnt nicht so weit entfernt von Jerusalem, in Ramot. Nach langen Jahren in Argentinien lebt er jetzt hier zusammen mit seiner Frau Rina, die nach einem Schlaganfall vor zwei Jahren sehr beeinträchtigt ist. So gestaltet sich der Alltag nicht einfach, aber durch unterstützende Therapien in Yad – Sarah, einer weitgehend von Volontären betriebenen Einrichtung für Menschen in Schwierigkeiten, hat sich Frau Spandaus Zustand schon gebessert, ihr Mann ist dort mit Reparaturarbeiten beschäftigt.

Der nächste Besuch führt uns direkt ans Mittelmeer nörd lich von Netanya nach Mikhmoret zu Schimon (Siegfried) Zucker und seiner Frau Esther. Sie bewohnen ein schönes Gartengrundstück mit vielen blühenden Büschen. Leider sind beide ziemlich krank, haben in der Nähe aber ihre Familien wohnen, die sich kümmern, und man hat Freude an den Enkelkindern.

Bei Fanni Bibla, Hermanns Schwester, sind wir auch willkommen. Sie ist vor einigen Monaten Witwe geworden. Ihr Mann war schon lange sehr krank, konnte darum auch nicht an dem Besuch 1995 teilnehmen.

Die letzte Begegnung gilt dem Witwer Jochanan Nadir, früher Hans Nordheimer aus Leipzig. Mit seiner Frau Shulamit (Susi Schmerler) hat er von Anfang an im Kibbuz Kefar Menahem, der in Richtung Süden nach Be‘er Sheva liegt, gelebt. Wir fahren zuerst zum Friedhof, wo Shulamit 2001 beerdigt wurde. Im Wohnhaus liegen schon einige Dokumente bereit, die mit nach Bochum genommen werden dürfen.

Jerusalem, unser Wohnsitz zu dieser Zeit, unterscheidet sich schon sehr von anderen Städten. Religiöse aller Schattierungen bis hin zu den ultraorthodoxen prägen das Bild, nicht nur in Me'a She‘arim. Da wir zweimal den Sabbat und sogar Pesach miterleben, merkt man schon sehr den Unterschied, ob im Hotel, in den Straßen, an der Klagemauer.

Selbst die Israelis, die der Religion ferner stehen, begehen hohe Feiertage wie eben Pesach. Den Vorabend können wir bei Alona, der Enkelin von Helena Ber, miterleben. Sie ist Anwältin in Jerusalem, Mutter von vier netten Töchtern und hat uns wie selbstverständlich zum Mitfeiern in ihre Familie eingeladen. Man begeht diesen Tag traditionell; die Hagada wird reihum gelesen, dabei die entsprechenden Speisen verzehrt. Von dieser Herzlichkeit und dem fröhlichem Miteinander sind wir sehr beeindruckt.

Auch an einer Hochzeit aus Hermanns weiterer Verwandtschaft können wir teilnehmen. Sie wird in einem Kibbuz in der Nähe Tel Avivs gefeiert, im Palmengarten steht die erleuchtete Chupa für die recht kurze Zeremonie. Köstliche Speisen werden geboten für eine Menge von rund 250 Personen, eine ausgelasssene Festgesellschaft vergnügt sich auf der Tanzfläche zu sehr lauter Musik (jedenfalls für unsere Ohren!).

Natürlich sind auch die historischen Stätten Ziel unserer Aufmerksamkeit, doch die persönlichen Begegnungen mit Menschen im Land Israel sind uns wichtiger. Sie alle leben in einem nicht einfachen Land. Den Nahost-Konflikt spürt man überall, sonst wäre das Militär mit geschulterter MP nicht so präsent, es stünden keine Kontrolleure an Bahn- /Busstationen, vor Kaufhäusern, Cafés, es gäbe nicht zahlreiche Checkpoints. Für uns war das schon gewöhnungsbedürftig, doch anders scheint es nicht zu gehen. Die Israelis müssen immer damit leben, für uns sind es nur zwei Wochen. Wir haben eine Menge über Land und Leute erfahren. Dafür sind wir besonders Hermann Brecher und Helena Ber zu Dank verpflichtet.

 (Ingrid Schneider)
 

Fotomontage

Fotomontage: (unten:) Siegfried Spandau, Inge Belik geb. Salomon,(Mitte:) Schimon (Siegfried) Zucker, (oben:) Jochanan Nadir, Hubert Schneider, HermannBrecher, Fanni Bibla geb. Brecher -Hintergrund: Yad Vaschem - Im Tal der ausgelöschten Gemeinden