Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2005                             Nr. 9

Inhaltsverzeichnis

10 Jahre danach ...

Liebe Freunde und Förderer der Vereins „ERINNERN FÜR DIE ZUKUNFT
E.V.“ Vom 2. bis 10. September 1995 besuchten erstmals 52 Mitglieder der alten jüdischen Gemeinde mit jeweils einem Angehörigen auf Initiative unseres Vereins und auf Einladung der Stadt ihre alte Heimatstadt Bochum, aus der sie in den Jahren nach 1933 fliehen mussten, um zu überleben. In der Chronik unserer Stadt ist dieser Besuch ein herausragendes Ereignis, das die Erinnerungskultur in Bochum nachhaltig geprägt und verändert hat. Besuche von kleineren Gruppen früherer Bochumer Juden wurden zur Selbstverständlichkeit. Zahlreiche Publikationen beschäftigten sich intensiv mit Teilaspekten der jüdischen Geschichte in Bochum. Das im vergangenen Jahr begonnene Projekt „Stolpersteine“ wird immer stärker in der Stadt an die früher hier lebenden jüdischen Menschen erinnern, die Opfer der Shoah wurden, ein heute noch diskutierter Stationenweg „Jüdisches Leben in Bochum“ wird an die Geschichte der Juden in Bochum erinnern. Stadtrundgänge zum Thema „Jüdisches Leben in Bochum“ werden angeboten und sehr nachgefragt, einzelne Institutionen erinnern sich an die Rolle, die Juden in ihren Einrichtungen spielten (Schulen, Juristen). Die offiziellen Gedenkveranstaltungen, die zu ritualisierten Veranstaltungen zu werden drohten, gewannen an Substanz.

Unseren Verein gibt es immer noch. Der bei unserer Gründung 1994 vordringliche Vereinszweck, den Besuch zu ermöglichen, war ja 1995 erfüllt. Dennoch bleibt noch vieles zu tun. Wie es unsere Satzung vorschreibt, wird es vordringliche Aufgabe weiterhin sein, den Kontakt zu den Bochumer Emigrantinnen und Emigranten fortzuführen, sie über die Tätigkeit des Vereins zu informieren sowie Anregungen ihrerseits aufzugreifen. Wir werden uns weiterhin mit der Geschichte Bochums während des Nationalsozialismus auseinandersetzen, Dokumente zur Geschichte r jüdischen Gemeinde sammeln und studieren, in wissenschaftlichen Publikationen und Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentieren. Auch in Zukunft gilt für uns, was wir in unserer Dokumentation des Besuchs von 1995 „Vom Umgang mit der Geschichte“ sagten: „Verantwortung schließt aber auch das Erbe ein, das wir auszuschlagen nicht frei sind. Dass wir nicht allein stehen, sondern in einer Folge, in der uns die Errungenschaften und Versäumnisse unserer Vorfahren beschäftigen müssen. Darum müssen wir erinnern und durcharbeiten, und um unseren Nachkommen selbst eine Welt zurückzulassen, in der eine Wiederholung von Auschwitz undenkbar bleibt. (...) Aus dem Wissen um die Vergangenheit die Notwendigkeit erkennen, die Kraft zu schöpfen, die Gegenwart und die Zukunft zu gestalten, darin besteht unsere Aufgabe: Erinnern – für die Zukunft.“

In diesem Sinne grüßen wir Sie herzlich!

Verein „Erinnern für die Zukunft e.V.“