Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins

Bochum, September 2012                          Nr. 16

Inhaltsverzeichnins

Zum Tod von Klaus Kunold (12. Dezember 1931 – 26. November 2011)

   Wenige Tage vor seinem achtzigsten Geburtstag ist Klaus Kunold in Bochum gestorben.
   Er war unserem Verein „Erinnern für die Zukunft e.V.“ in besonderer Weise verbunden: Als langjähriger Vorsitzender der „Vereinigung der Verfolgten des Nazisystems (VVN) – Bund der Antifaschisten“ hatte er sich früh um eine Aufarbeitung der Geschichte der Opfer des Nationalsozialismus gekümmert – 1993 erschien auf seine Initiative die Broschüre „Die Verfolgung der Juden in Bochum und Wattenscheid. Die Jahre 1933-1945 in Berichten, Bildern und Dokumenten“ (Schriftenreihe zur antifaschistischen Geschichte Bochums Nr. 4). 1994 gehörte er zu den Initiatoren und Gründungsmitgliedern des Vereins „Erinnern für die Zukunft e.V.“ Bochum, dessen erstes Ziel es war, bei der Stadt Bochum eine Einladung an die Überlebenden der alten jüdischen Gemeinde Bochum zu bewirken. Die Initiative hatte überraschend schnell Erfolg: Im September 1995 kamen erstmals 51 Mitglieder der alten jüdischen Gemeinde mit je einer Begleitperson wieder ihre alte Heimatstadt, aus der sie in den dreißiger Jahren hatten fliehen müssen, um zu überleben. Der Besuch wurde zu einem Höhepunkt des öffentlichen Lebens in Bochum, mit Langzeitwirkung: Er bewirkte u.a. ein Umdenken in der hier praktizierten Erinnerungspolitik.
   Klaus Kunold gehörte, zusammen mit seiner Partnerin Jutta Duschka, zu den aktivsten Mitgliedern unseres Vereins. Beide verpassten keine unsere Treffen, beide nahmen bis zuletzt aktiv und passiv an dessen Arbeit teil.
   Der überzeugte Antifaschist Klaus Kunold war in Bochum eine herausragende Persönlichkeit. Davon zeugen die zahlreichen Nachrufe, die anlässlich seines Todes in den unterschiedlichsten lokalen und überregionalen Zeitungen erschienen.
   Geprägt durch die Erfahrungen des Nationalsozialismus, wurde Klaus Kunold einer der wenigen Bochumer, die sich der Verantwortung stellten, immer wieder vor den Gefahren der Nazi-Ideologie zu warnen.
   Schon als Kind musste er erleben, wie sein Vater, ein überzeugter Kommunist, der Fraktionsvorsitzender der KPD im Rat der Stadt – bis zum KPD-Verbot 1956 – war, von der Gestapo verhaftet und ins KZ Esterwegen gebracht wurde. Auch seine Mutter war Widerstandskämpferin. Der gelernte Gärtner Klaus Kunold wurde mit 19 Jahren Mitglied der FDJ und trat mit 20 Jahren in die KPD ein. Nach dem Verbot der Partei betätigte er sich weiterhin als Kommunist. Er wurde verurteilt wegen „Geheimbündelei und Verbreitung von kommunistischen Schriften“, so hieß es in der Begründung. Zu 15 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilte das Gericht den Vater von drei keinen Kindern 1962. Schon zehn Jahre vorher kam er wegen seiner Tätigkeit für die 1951 in Westdeutschland verbotene FDJ in Haft. Insgesamt 30 Monate verbrachte Klaus Kunold in Gefängnissen. Rehabilitiert wurde er nie.
   Kunold, der aus seiner Überzeugung nie einen Hehl gemacht hat, war 26 Jahre lang Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) – Bund der Antifaschisten, deren Arbeit er entscheidend prägte. Neben seinem Wirken in unserem Verein bleibt unvergessen sein Einsatz für ehemalige Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Dass auf dem Gelände des ehemaligen Lagers des Bochumer Vereins „Saure Wiese“ Anfang 2012 eine Gedenkstelle errichtet wurde, geht auf seinen Einsatz und seine Recherche zurück. Ein wichtiges Anliegen war ihm besonders, dass Bochum wieder eine Synagoge erhielt. Klaus Kunold war in Bochum eine Persönlichkeit, die man kannte und die in breiten Bevölkerungskreisen hoch geachtet wurde. Für seine Verdienste, die er sich durch sein Eintreten für die Opfer des Nationalsozialismus und gegen rechte Gewalt erworben hat, wurde er am 30. Mai 2008 von Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz mit der Ehrenplakette der Stadt Bochum ausgezeichnet.
   Überschattet wurden die letzten Lebensjahre Klaus Kunolds durch den plötzlichen Tod seiner Partnerin Jutta Duschka. Er trauerte unendlich.
   Der Verein „Erinnern für die Zukunft“ vermisst Jutta und Klaus sehr: ihr Engagement, ihre Tatkraft, ihre Liebenswürdigkeit. Für viele von uns waren sie Freunde geworden, wir werden sie nicht vergessen.

(Hubert Schneider)

BildKunold_500px